Empfindsamkeit und Härte

Schmerzhafte Erinnerungen sind sicher für jeden von uns nichts unbekanntes.
Doch besonders empfindsame Menschen leiden oft so sehr unter ihren Gefühlen, sind so gefangen in ihrem Schmerz, dass sie versuchen sich Härte und Unempfindlichkeit anzutrainieren. Sie versuchen sich selbst zu konditionieren.
Wenn es uns gelingt aus unserer Betroffenheit und Befangenheit heraus zu gehen und wir uns selbst beobachten, stellen wir fest, dass es nicht die Empfindsamkeit ist und auch nicht der Schmerz der uns unendlich leiden lässt, der uns nervt, anstrengt oder belastet.

Es ist die Gefangenschaft, das nicht los kommen, das nicht aussteigen können aus unserer Befangenheit. Es ist die Identifikation mit unserem Schmerz. Es ist der Glaube daran bei jeder uns nahe gehenden Verletzung zwangsläufig immer wieder in tiefer schmerzhafter Empfindung zu versinken, nicht davon loskommen zu können, nichts dagegen tun zu können.

Abstumpfung und Unempfindlichkeit ist jedoch kein Ausweg aus der Misere.
Zum Einen gelingt es uns nicht wirklich, denn trotz unserem Bemühen unsere Betroffenheit zu negieren, ist die Härte uns Selbst gegenüber nur gespielt. Wir lenken uns ab, versuchen zu ignorieren, uns mental abzuhärten.

Die Folge davon ist lediglich dass wir uns zu uns selbst distanzieren, uns von uns selbst entfernen, wir uns selbst nicht mehr oder kaum mehr wahrnehmen, sehen und spüren. Der Schmerz, die Betroffenheit und das Gefangensein geschieht scheinbar jemand anderem, läuft im Hintergrund ab ohne uns scheinbar zu tangieren.

Welch hoher Preis den wir hier zahlen, wir verlieren den Kontakt zu uns selbst.

Es nicht unsere Empfindsamkeit die uns leiden lässt, im Gegenteil sie gibt uns Nähe, Einfühlungsvermögen und Lebendigkeit.

Es ist unser „gefangen nehmen lassen“ unser nicht loskommen von unseren Gedanken. Wir nehmen uns letztlich selbst gefangen, machen uns hilflos und handlungsunfähig. Wir glauben jedoch felsenfest daran es wäre unsere Empfindsamkeit und unsere Verletzbarkeit.

Ich sage nicht es ist unendlich leicht sich aus seiner selbst Gefangennahme zu befreien, doch es ist möglich.

Statt uns unempfindlich und hart zu machen sollten wir die Energie benutzen uns von unserer Identifikation mit unseren Schmerz, unseren Gedanken unseren Interpretationen zu befreien. Je mehr es uns gelingt uns von unserer Identifikation mit dem Schmerz zu befreien, desto klarer können wir sehen, desto leichter wird es mit offenen Herzen und klaren Kopf durch den Schmerz hindurch zu gehen.

Unserer Empfindsamkeit und unser Schmerz hält uns wach und lebendig.
Unsere Gedanken darüber nehmen uns gefangen, machen uns befangen und handlungsunfähig.

Je mehr wir dies begreifen und lernen damit umzugehen werden wie angenehme wie unangenehme Empfindungen genießen lernen, sie halten uns lebendig und wach.

Wir müssen lernen uns selbst zu beobachten. Sowohl bei schmerzhaften als auch bei freudvollen Empfindungen uns nicht von unserem Kopf überrumpeln, etwas vormachen zu lassen.

Es sind unsere Interpretationen und Zuschreibungen sowohl bei Freude als auch bei Schmerz die zu unserem Leid führen.

Schmerz und Freude einfach zulassen, intensiv erleben, kommen und wieder gehen lassen. Weder das eine noch das andere festhalten, und ein empfindsames, friedvolles, freudvolles, zufriedenes und glückliches Leben kann mehr und mehr beginnen.

Gut Ding will Weile haben, gib dir die Zeit, erzwinge nichts und nimm an was ist, nimm dich an so wie du gerade bist, verstehe dass nichts bleibt wie es ist, so wirst auch du mehr und mehr Freude mit dir selbst erleben können.

… und irgendwann frei sein, unabhängig von Zuschreibungen und nutzlosen, unbedeutenden Worthülsen …

Advertisements

Über tukan

Wir ändern uns nicht durch Änderung unseres Verhalten, dies wäre wie Kleidung wechseln oder Möbelrücken. Veränderung braucht weder Anstrengung noch Gewalt. Solange wir von Lob und Wertschätzung abhängig sind, werden wir Menschen danach beurteilen, ob sie unsere Abhängigkeiten gefährden oder fördern. Die Wurzel allen Kummers ist das Verlangen. Verlangen trübt und zerstört die Wahrnehmung. Ängste und Wünsche verfolgen uns. einfach sein, leben und leben lassen, sich selbst beobachten ohne zu bewerten, achtsam und bewusst, lebendig und glücklich sein.
Dieser Beitrag wurde unter glücklich sein, leben, loslassen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s