Erwachsen werden

Wenn wir als Kinder zum ersten Mal aus der uns vertrauten und bekannten Welt mit einer für uns völlig neuartigen Welt konfrontiert werden geschieht dies vermutlich auf dem Spielplatz, im Kindergarten oder spätestens in der Schule. Jeder von uns steht plötzlich und überraschend einer neuartigen Welt voller Bedrohung und Angst, voll von Gewalt und Hilflosigkeit, einem Gefühl von Ausgeliefert sein und Hilflosigkeit gegenüber. Lug und Trug, Erpressung und Unterdrückung, schier unerfüllbaren Anforderungen und Erwartungen. 
Die Begleitung durch bereits Erwachsene Menschen wird oft als zusätzliche Belastung oder gar Bedrohung empfunden. Schnell müssen wir lernen uns anders zu geben als wir sind. Wir fühlen uns gezwungen selbst zu lügen und durch Rollenspiel einen Menschen vorzutäuschen der wir nicht sind. Rollenfindung im Gruppenprozess wird das ganze pädagogisch auch noch als normal und notwendig definiert. Leider sagt keiner den Kindern und Jugendlichen dass dies trotz alledem Rollen sind die wir meist unfreiwillig und aus der Not geboren übernehmen. Keiner zeigt den extrem unter Druck stehenden Kindern und Jugendlichen mögliche oder hilfreiche Alternativen auf solange die Gruppe funktioniert und keiner aus der Rolle fällt. 
Wir trainieren so das Erwachsen werden, wir müssen lernen zu funktionieren. Im Laufe der Zeit lernen wir so, viele Rollen für unterschiedliche Situationen kennen. Wir lernen Vorlieben für bestimmte Rollen zu entwickeln und identifizieren uns mehr und mehr mit Rollen die uns gefallen oder die uns helfen uns zurecht zu finden. Manche sind für uns schlichtweg wichtig um zu überleben. Klammheimlich verlieren wir so, ohne dies lange Zeit zu merken, uns selbst. 
Was bleibt ist eine vage Erinnerung und unsere Sehnsucht. Doch wir trauen uns selten diesem Gefühl nachzugehen. Zu schmerzvoll ist der Verlust und zu groß die Anforderungen Erwachsen zu werden. Anpassung ist gefragt, selbst im Aussehen fühlen wir uns gezwungen mit dem „Trend“ zu gehen, ja nicht auffallen, belächelt oder gar ausgelacht werden. Wir entwickeln uns so nach und nach zu perfekten Marionetten. Je nach Position und Rolle dürfen wir ab und an selbst an manchen Fäden ziehen, wenn wir mutig, kaltherzig, genügend angepasst und stark genug dazu sind. 
Insgesamt jedoch sind wir alle davon überzeugt das von oben, wo und was immer das auch ist vorgegeben ist, wie alles zu funktionieren hat. Regeln von wem auch immer und wann auch immer aufgestellt, bestimmen was wir zu tun haben und wie. Gesetze, Medien und unsere unvermeidlichen Idole und Vorbilder, die es scheinbar geschafft haben, leben uns vor wie das Leben geht, ohne zu merken dass alle Menschen genauso verloren sind wie wir, hilflos sich selbst oder gegenseitig hinterherlaufen. 
Wir sind so beschäftigt den Anforderungen, Erwartungen und Vorstellungen zu genügen, dass wir uns voll und ganz damit zufrieden zu geben wenn es so aussieht als ob. Den Anschein zu waren wird gar noch als gesellschaftlich oberstes Gebot in Verbindung mit sogenannten Anstand als Selbstverständlichkeit verkauft. Als angehende Erwachsene schlucken wir so unendlich viel Müll als gegebene Realität und Wirklichkeit. Wir haben uns verloren, niemand ist für uns erreichbar der uns eine Alternative oder gar Hilfestellung geben könnte. Ein Heer, eine, nein viele Gesellschaften von Verlorenen die ums Überleben kämpfen, sich gegenseitig bekriegen. 
Wir lernen schnell unsere Sehnsüchte nach Geborgenheit, nach uns selbst und nach Liebe, mit Ersatzbefriedigungen zu kompensieren. Lernen Zeit ist Geld und mit Geld kann man sich alles kaufen, so glauben wir zumindest, sind davon überzeugt. Oft bis wir selbst zu Grabe getragen werden. Da wir zwischen Sein und Schein nicht mehr unterscheiden können, begnügen wir uns mit dem Anschein, wir basteln uns eine Welt die von unserem Verstand dirigiert und gelenkt wird. So scheint zumindest alles im Griff alles unter Kontrolle zu sein. Wir merken nicht dass wir nach wie vor Marionetten sind. Die Fäden sind unsere Empfindlichkeiten, unsere Gier unsere Sucht, unsere Träume, unsere Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen. Unser Selbstschutz den wir mühsam aufgebaut haben fällt in sich zusammen sobald intensive Emotionen ins Spiel kommen. Gleichzeitig glauben wir durch das Vorhandensein intensiver Emotionen, dass wir in einer realen Welt leben, wir fühlen ja. Wir fühlen Schmerz, Freude und Begeisterung. Doch, an den Fäden zu ziehen kann schier jeder. Uns wütend oder ärgerlich zu machen erfordert kein Diplom. Uns Liebe oder Nähe vorzugaukeln braucht nicht mehr als etwas Übung und Geschicklichkeit. 
In unserem Oberflächlichkeit und Bequemlichkeit findet sich immer jemand dem wir hinterherlaufen als Vorbild verehren, der uns aufbaut, zeigt und sagt wie Leben funktioniert. Wir begnügen uns unser Leben lang so zu tun als ob. 
Dabei ist alles wirklich einfach, lange nicht so anstrengend und schwer wie unser Selbstbetrug. Wir brauchen niemand dem wir hinterher laufen, wenn wir zu uns selbst zurückkehren, wir selbst sind. Doch nicht nur in der Sülze unseres Verstandes und unserer Gedanken. Wir müssen es leben, wir müssen aufwachen, all den Müll den wir zugelassen haben, der uns als heile zuckersüße Welt oder gar Liebe und Glück verkauft wurde, müssen wir abschütteln. Wir müssen neu beginnen, da wo wir aufgehört haben zu leben. Wir müssen lernen, mit dem Bewusstsein, soweit wir es entwickelt haben leben zu lernen. Wieder lebendig werden, unser eigenes Leben zu leben. 
Nicht das was wir glauben, erzählen können oder erzählt bekommen, hat irgendetwas mit Lebendigkeit oder uns selbst zu tun. 
Lasst uns in Schlammpfützen platschen wie Kinder, lasst uns singen und tanzen, lasst uns intuitiv das Leben, was wir sind. 
Lasst uns dabei aufs Neue aus unseren Fehlern und Dummheiten lernen. Doch nicht durch Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und dem Gefühl nicht gut genug zu sein. Sondern indem wir lernen es Stück für Stück besser zu machen, bis wir dem entsprechen, wie wir sind und dem wie wir sein möchten. Vergiss, dass du bist was du zu sein glaubst. Nicht unser Verstand und auch nicht der Anschein zählt. Wir müssen leben, uns leben trauen, ohne Angst anders zu sein als Andere. Nicht die Erwartungen Anderer zählen, auch nicht unsere eigenen. Vergiss den Lug und Trug, fange an zu Leben. 
Doch sei bedacht und achtsam, übe, trainiere Stück für Stück. Du musst lernen mit den Konsequenzen zurechtzukommen. Deine Schwester Achtsamkeit hilft der dabei.

Advertisements

Über tukan

Wir ändern uns nicht durch Änderung unseres Verhalten, dies wäre wie Kleidung wechseln oder Möbelrücken. Veränderung braucht weder Anstrengung noch Gewalt. Solange wir von Lob und Wertschätzung abhängig sind, werden wir Menschen danach beurteilen, ob sie unsere Abhängigkeiten gefährden oder fördern. Die Wurzel allen Kummers ist das Verlangen. Verlangen trübt und zerstört die Wahrnehmung. Ängste und Wünsche verfolgen uns. einfach sein, leben und leben lassen, sich selbst beobachten ohne zu bewerten, achtsam und bewusst, lebendig und glücklich sein.
Dieser Beitrag wurde unter leben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s