Lesen lernen

Als Kinder lernen wir in der Schule mühsam zusammenhängende Buchstaben und Wörter zu lesen. Schon das buchstabieren fällt uns so schwer das wir den Sinn des Wortes nicht kapieren und schon garnicht verstehen wir während des Lernens den ganzen Satz. Irgendwann sind wir dann stolz, werden gelobt und belohnt dafür, wir können lesen. 
Zumindest glauben wir das lange Zeit selbst noch als Erwachsene. Sinn und Inhalt von Wörtern und Begriffen werden unterschiedlich benutzt und unterschiedlich verstanden. Wir müssen erahnen was mit ganzen Sätzen gemeint ist. Selbstverständlich sehen wir uns zweifelsfrei alle dazu in der Lage das auch zu verstehen. Was wir so oft nicht sehen ist die Absicht des Menschen, die versteckten Botschaften. Oft ist dem Schreiber selbst nicht bewusst warum er gerade jetzt dies sagt oder schreibt. 
In der Regel haben wir nur unsere Visionen, Ideen und vor allem Ergebnisse von unseren Erfahrungen, Interpretationen und Bewertungen im Hinterkopf. Alles was wir sehen und hören läuft durch diesen Filter. Oft beginnen wir bereits am Anfang eines Satzes zu glauben zu verstehen und zu wissen was die Botschaft und Aussage ist. Wir bewerten bereits nach wenigen Sekunden ob oder was wir eventuell für richtig, wichtig oder gut halten. Wir hören nur noch das was wir hören wollen, hören oft garnicht mehr zu, sondern in uns läuft nur noch eine Zuordnung statt. Wir sind fokussiert auf unserem Film bereits gemachter Erfahrungen und Erkenntnisse. 
Wie wollen wir so etwas Neues erfahren oder erkennen? Es geht uns meist nur noch um Bestätigung bereits gemachter Erfahrungen und Erkenntnisse. So findet kein Lernen mehr statt. Wir treten auf der Stelle, lehnen ab was uns nicht in den Kram passt und stimmen zu oder loben je mehr etwas unseren Deutungen bereits gemachter Erfahrungen entspricht. Wie soll dabei Wachstum und lernen geschehen? 
Wenn wir nur auf der Suche nach Begegnungen mit Menschen sind die genauso denken wie wir können wir auch zuhause bleiben. Wir können uns weiter in unseren Kokon verkriechen. Resistent wie wir auf alles Andere oder Neue reagieren, können wir unsere Energie auf uns selbst konzentrieren, Meditieren und darauf warten dass irgendwann unsere Erleuchtung geschieht. 
Es erfordert jedoch noch weitaus mehr Mut und Bereitschaft für sich allein zu wachsen als in einer Gemeinschaft. Auch alleine müssen wir lernen uns ständig in Frage zu stellen. Nichts als gegeben und selbstverständlich hinzunehmen. Müssen lernen unsere Einsamkeit zu überwinden um das Alleinsein genießen und nutzen zu können. 
Erst wenn wir begreifen dass wir alleine sind wird sich unsere Einsamkeit verlieren. Erst dann können wir es genießen in und mit einer Gemeinschaft zu leben. Egal ob in einer Partnerschaft oder mit Tausenden von Menschen. 
Ich finde es furchtbar in einer Gemeinschaft zu sein, sich in einer Gemeinschaft zu bewegen und Menschen zu sehen die sich in ihrer Einsamkeit verloren haben. Dies jedoch verstecken und kaschieren in dem sie nur nach vermeintlichen Gemeinsamkeiten suchen die nicht wirklich existieren solange wir nicht unseren Kokon verlassen. Solange wir nicht wirklich bereit sind andere Menschen zu berühren und uns erreichen zu lassen. Ist es nicht schrecklich in einer Gemeinschaft zu sein und irgendwann aufzuwachen um zu erkennen ich bin allein, wenn ich ehrlich bin kenne ich hier niemand und niemand kennt mich? 
Solange wir uns nur in unseren Rollen bewegen spielen wir Versteck, es lebe Fasching und die Narrenzeit. Wer spielt seine Rollen am besten, am überzeugendsten. ich habe es satt Rollen zu spielen, ertappe mich trotzdem immer wieder dabei. Genau hier ist eine Gemeinschaft ein unendliches Geschenk. Doch nur wenn wir es wollen, wenn wir es ernst meinen mit uns selbst und unseren Mitmenschen.
Wie wollen wir unsere Verletzbarkeit verlieren wenn wir nicht mutig und voller Vertrauen sind. Wir müssen unsere selbstgeschaffene Dummheit und Naivität überwinden lernen. Der Schlüssel dazu ist einzig und allein Achtsamkeit. Nur wer schläfrig und egozentrisch, ichbezogen lebt läuft Gefahr sich verletzt zu fühlen, ohne wirklich von jemand Anderen verletzt zu werden. Solange wir alles gesehene, gehörte gefühlte auf uns selbst beziehen nur uns selbst und unsere bisherigen Lernerfahrungen bestätigen wollen, sind und bleiben wir überraschend verletzbar. Wenn wir den anderen Menschen wirklich sehen, erkennen wir seine Verletztheit, sehen wir woher seine Wut, sein Zorn, sein Leid kommt, sehen wir warum und wie er sich hinter seiner vermeintlichen Stärke versteckt, sehen wir warum er nach Anerkennung lechzt und manchmal sich selbst und seine Seele verkauft für einen Moment falscher Zufriedenheit und Glück.
Leben bedeutet ständige Veränderung. Nutzen wir doch die Energie und Möglichkeiten einer Gemeinschaft um zu wachsen. Leben bedeutet auch ständige Veränderung unser Perspektiven und Sichtweisen. 
Erst wenn wir bereit und mutig genug sind uns selbst in Frage zu stellen, egal wie weit wir glauben schon zu sein, ist Entwicklung und Wachstum möglich. Erst wenn wir bereit sind herauszufinden was andere Menschen uns zeigen oder sagen wollen und können, ist Veränderung und Wachstum möglich. 
Ehrliche, offene und tiefergehende Kommunikation ist erst dann möglich. Erst dann wird ein Austausch von Seele und Geist stattfinden. Erst dann können wir wirklich uns selbst und andere Menschen berühren, erreichen und lieben. 

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Über tukan

Wir ändern uns nicht durch Änderung unseres Verhalten, dies wäre wie Kleidung wechseln oder Möbelrücken. Veränderung braucht weder Anstrengung noch Gewalt. Solange wir von Lob und Wertschätzung abhängig sind, werden wir Menschen danach beurteilen, ob sie unsere Abhängigkeiten gefährden oder fördern. Die Wurzel allen Kummers ist das Verlangen. Verlangen trübt und zerstört die Wahrnehmung. Ängste und Wünsche verfolgen uns. einfach sein, leben und leben lassen, sich selbst beobachten ohne zu bewerten, achtsam und bewusst, lebendig und glücklich sein.
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