Traum und Wirklichkeit

Unser Körper, unser Geist, unsere Seele, unser Verstand, wir selbst, leben in ständiger Bewegung und Veränderung. Alle 7 Jahre erneut sich jede einzelne Zelle unseres Körpers. Unsere Gedanken und unser Verstand, unsere Gefühle und Empfindungen produzieren unaufhörlich, meist unbemerkt von uns, ständig Samen der Freude oder der Enttäuschung, Samen von Liebe oder Hass und Wut, der Zufriedenheit oder des Ärgers, der Trauer oder des Frohsinns, Samen von Begeisterung und Mut oder der Bitterkeit und Mutlosigkeit, Samen der Verzweiflung und Hilflosigkeit oder der Zuversicht und Vertrauens. All unsere Gedanken und Gefühle sind Nahrung für unseren Geist und unsere Seele. All diese Samen wachsen, gedeihen und blühen in uns oder schlummern tief in uns vergraben. Neue Samen erwecken bereits Vorhandene zu neuem Wachstum. Je nachdem welche Samen wir hegen und pflegen werden daraus, kleine Sprösslingen, starke oder wuchernde Pflanzen. Was einmal in uns ist wird zu einem Teil von uns. Durch die Kraft und Energie der Liebe und des Mitgefühls können wir in uns tief vergrabene Samen und verkümmerte Sprösslinge zu neuem Wachstum und zum Erblühen bringen.

Ob wir schlafwandelnd und träumend, gleichgültig und gelangweilt oder freudvoll und zufrieden, sprühend vor Energie oder niedergeschlagen unser Leben leben, durch unser sein, verändern und bewegen wir alles in uns. Ob wir leblos und tot oder voller Lebendigkeit und Liebe unser DaSEIN gestalten, alles, unser Körper, unser Geist, unsere Seele, unser Empfinden und unser Sein, ist in ständiger Bewegung und Veränderung begriffen. Bewusst oder unbewusst, blind oder sehend, wach oder schlafend, verantwortungslos oder selbstlos, wir nähren, schöpfen und gestalten unser Sein, unser Selbst auch dann, wenn wir uns leer und zerrissen fühlen. Wir entscheiden durch unsere Haltung, unsere Achtsamkeit oder Gleichgültigkeit, was in uns, ums überleben kämpft und was wächst und gedeiht.

Je nach Zeit unseres unachtsamen Verhaltens, empfinden wir jede Veränderung als größer werdenden, schier unüberwindbaren Berg. Unserer Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit, Trauer, Schmerz und Leblosigkeit ausgeliefert zu sein, erscheint uns oft die einzige Möglichkeit zu sein zu überleben. Wir verstecken uns vor uns selbst. Wir müllen uns mit allem zu was uns ablenkt. Wir füllen und pumpen uns mit allem voll was zur Verfügung steht, uns anlacht oder angeboten wird. Wir warten darauf, dass alles vorbei geht, dass die böse und gemeine Welt endlich ein Einsehen hat und uns erlöst.

Schon als Kind haben wir gelernt uns zu schützen und können jetzt alles was sich an uns noch lebendig anfühlt verstecken. Wir lassen uns von nichts und niemanden helfen. Immer entscheiden wir selbst was wir annehmen und was nicht, was uns erreicht und was nicht. Egal wie dreckig es uns geht, wir haben und behalten das letzte Wort. Wir allein treffen die Entscheidung was wir zulassen. Wir wollen, erwarten, wünschen, fordern oder erhoffen uns immer Linderung unseres Schmerzes. Wir wollen unser Spielzeug zurück. Wir wollen so weitermachen wie wir es gewohnt sind, wie es uns gerade gefällt.

Wenn wir genau hinschauen, offen und ehrlich zu uns sind sehen und erkennen wir, dass wir keine Veränderung wollen. Wir wollen alles mögliche nur nicht leiden. Allein wenn wir uns beobachten und zuschauen erkennen wir, sehen wir, müssen wir zugeben, dass nur wir selbst uns helfen können. Dazu müssten wir jedoch unsere Augen öffnen. Wir müssten Bereitschaft entwickeln, Verhaltensmuster und Strukturen aufzubrechen, alles in uns, ja uns selbst in Frage stellen. Wir müssten neu anfangen. Das ist der Berg der uns unüberwindbar erscheint. Wir wollen nicht wahr haben dass all unser Anhäufen von Erfahrungen und Wissen nur dazukommen taugt zu überleben, doch was für ein Leben? All unsere sich ständig nur wiederholenden Interpretation, Bewertungen, Urteile und Vorurteile taugen nur dazu uns in ständigen Schleifen und Kreisen zu drehen uns ständig zu wiederholen. Sie sind wertlos, denn in der Wirklichkeit ist kein Augenblick wie der andere. Da wir es sind, die sich trotz allem immer wieder daran festhalten erkennen wir, dass nur wir selbst, die all das konstruiert, zugelassen und geschaffen haben, dies auch wieder niederreißen und auflösen können.

Manchmal haben wir uns so tief in etwas verrannt, dass wir professionelle Hilfe brauchen. Doch auch hier muss uns klar sein, dass die beste professionelle Hilfe, uns nur dazu verhelfen kann weiter zu machen wie bisher. Da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben, wir selbst zu sein. Durch professionelle Hilfe erhalten wir unser Spielzeug zurück. Auf ein neues ist es dann unsere Entscheidung, weiterzumachen wie zuvor oder neu anzufangen. Was weitermachen bedeutet wissen wir, kennen wir. Wir haben gelernt damit zu überleben. Ein Neuanfang würde bedeuten alles niederzureißen was uns festhält, lähmt oder einengt. Es würde bedeuten nur das nötigste zu behalten, uns selbst und unser Leben.

Wie ein neugeborenes Kind beginnen wir jeden Augenblick als einzigartig und neu zu begreifen mit einem entscheidenden Unterschied. Wir haben und nutzen unseren Verstand, unseren wachen Geist für unseren Weg zum Ziel, Lebendigkeit, Zufriedenheit, Glück, Liebe und Mitgefühl, anfangs für uns selbst, stetig wachsend auch für Mitmenschen und irgendwann selbst für unsere vermeintlichen Feinde. Wir nutzen unseren Verstand für Beobachtung nicht für Interpretation und Bewertung, auch nicht für Urteile oder Vorurteile. Wir lernen allein durch Zuschauen ohne uns einzumischen oder manipulieren zu wollen.

All unsere Krücken – Interpretation, Bewertung, Urteil und Manipulation sind nutzlos geworden, denn wir müssen nicht mehr überleben, wir leben Lebendigkeit. Diese Krücken waren hilfreich um uns Schutzschilde und vermeintliche Sicherheitsstrukturen aufzubauen, Vergleiche und Verbindungen herzustellen um gewappnet zu sein für Überraschungen. Sie waren letztlich schon immer eher hinderlich als nützlich, haben uns festgehalten in der Vergangenheit und uns ängstlich in die Zukunft blicken lassen. Die Gegenwart war mehr Feind als Freund, trotz unserer Vorkehrungen war sie gefährlich. Überleben war wichtiger als Lebendigkeit.

Ohne all diesen ganzen Ballast sind wir frei geworden, blühen jeden Tag mehr auf, voller Lebendigkeit und Lebensfreude. Statt all der Krücken reicht unsere Achtsamkeit um wachsam uns selbst zu beobachten und allein dadurch zu lernen, um Veränderung geschehen zu lassen. Wir dürfen jeden Tag neu als ein Wunder erleben. Die Lebensfülle, jeder neue Augenblick fasziniert uns. So wie jedes Blatt eines Baumes einzigartig und anders ist, lernen wir die Einzigartigkeit jedes Moments in uns aufzunehmen. Manchmal fühlte es sich an als würden wir uns auflösen, wahrlich eins werden mit allem in und um uns. Wir staunen, lernen, lieben, leben, weinen und lachen, sind voller Freude und Zuversicht. Wir erleben Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit. Doch all dies sind Momente, Augenblicke, kurze Phasen. Noch bevor unsere Tränen trocknen können, verzaubert uns ein Lächeln des Verstehens. Wir halten immer weniger, immer kürzer unsere Gefühle und Gedanken fest. Uns wird fast schwindlig von der Faszination, der unendlichen Kraft und der unerschöpflichen Fülle.

Noch kommen und gehen Gedanken und Gefühle, entstehen und vergehen. Zunehmend jedoch wird unser Empfinden zu einem vibrieren, als würden wir uns ausdehnen und zurück zu unserer ursprünglichen Größe zusammenziehen. Für einen kurzen Augenblick erschrecken wir vor unserer Fähigkeit zu sehen, zu begreifen und zu verstehen. Wir erschrecken für einen Moment vor der Macht und Kraft die in uns ist. Kurz darauf Lächeln wir wieder, wissend wir sind nur Teil eines Ganzen, sind eins geworden für den Augenblick, solange, bis wir wieder einen Gedanken fassen. Wir können unsere Kraft und Macht niemals missbrauchen. In Verbindung mit dem Ganzen sind wir eins. Liebe und Mitgefühl ist die Kraft und die Macht, das Licht das alles durchdringt.

Als wir aufwachen aus unseren Traum wissen wir nicht mehr was Traum und was Wirklichkeit war. Erst als wir Tage darauf wieder Gefangene sind, in Bann gezogen von unserer Angst und Hilflosigkeit, wissen wir alles bewegt und verändert sich ständig, wird erschaffen, neu geboren und vergeht. Wir beginnen zu lächeln unsere Angst und Hilflosigkeit verfliegt jedes Mal etwas schneller. Solange bis wir sie wieder neu erschaffen, festhalten oder ziehen lassen. Mit unsere Schwester Achtsamkeit sind wir nie allein. Gemeinsam kümmern wir uns um unsere Angst, um unsere Wut, unsere Trauer und Enttäuschung. Wir lehnen nicht ab was da ist, uns bewegt oder gefangen nimmt. Wir transformieren, wandeln unsere Angst gemeinsam mit unsere Schwester Achtsamkeit um in Energie. So wie Kartoffeln auf dem Feuer, festgehalten und umschlossen vom Topf, mit leicht geöffneten Deckel, den Dampf entweichen lassen. Nach einiger Zeit werden ungenießbare Kartoffeln zu wohlschmeckender Nahrung, die uns Energie und Kraft schenkt. Wir nutzen das Feuer wissend um die Gefahr. Unsere Begleiterin Achtsamkeit hilft uns dabei, wir müssen sie nur dazu einladen.

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Über tukan

Wir ändern uns nicht durch Änderung unseres Verhalten, dies wäre wie Kleidung wechseln oder Möbelrücken. Veränderung braucht weder Anstrengung noch Gewalt. Solange wir von Lob und Wertschätzung abhängig sind, werden wir Menschen danach beurteilen, ob sie unsere Abhängigkeiten gefährden oder fördern. Die Wurzel allen Kummers ist das Verlangen. Verlangen trübt und zerstört die Wahrnehmung. Ängste und Wünsche verfolgen uns. einfach sein, leben und leben lassen, sich selbst beobachten ohne zu bewerten, achtsam und bewusst, lebendig und glücklich sein.
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