Das Leben ist einfacher als du denkst

Immer wenn wir den Augenblick nicht genießen können, gehen wir auf die Suche. Leider tun wir das fast immer nur in unseren Gedanken. Wir überlassen es unseren Verstand, der ab diesem Moment über unser Leben und erleben bestimmt. So kommt es nur noch sehr selten zu Momenten des „nichts tuns“

Als Kind kann ich mich noch gut daran erinnern, wie meine Mutter zu mir sagte: „Sitz nicht so rum, mach doch was“ Eine andere Redewendung war ich solle nicht „Maulaffen feilhalten“. Damals wusste ich nicht was dies bedeutete. Es bedeutet nämlich – mit offenen Mund staunend herumstehen.

Heute weiß ich, dass es diese Momente waren, die wir heute so oft vermissen. Momente der Besinnung. Aus der Sicht meiner Mutter kann ich längst gut verstehen warum sie dies sagte. Bei neun Kindern und pflegebedürftiger Oma war keine Zeit für solchen Luxus. Als sie viele Jahre später, allein durch den Luxus einer Waschmaschine ab und zu die Zeit gehabt hätte, hatte sie es verlernt, wahrscheinlich auch Angst davor, solche Momente für innerliche Besinnung zu nutzen.

Besinnungslos zu sein, wird definiert als „ohne dass der normale Verstand eingreift, den Emotionen ausgeliefert, außer sich sein. Warum hatten Erwachsene schon immer Angst davor?
Bei Besinnung zu sein dagegen bedeutet in Augen Erwachsener, der Verstand übernimmt die Kontrolle, Emotionen dürfen nur kontrolliert, wenn überhaupt zugelassen werden, es ist gefährlich außer sich zu sein.

Welch eine ver-rückte Welt.

Besinnungslos hat so im Laufe der Zeit eine weitere Bedeutung erhalten. Der besinnungslose Verstand ist seinen selbst produzierten Gefühlen ausgeliefert. Besinnungslos schlägt er ums sich, besinnungslos trunken von sich selbst dreht er sich hilflos im Kreis.

Außer sich selbst zu sein, sich selbst einfach zu beobachten, ohne dass der normale Verstand eingreift, ist ein wundervoller Zustand. Die entscheidende „Kleinigkeit“ ist das Wort „AUSGELIEFERT“ Auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen lernen wir Gefühle als etwas gefährliches zu betrachten. Nie ohne Begleitung durch den Verstand zuzulassen. Wir lernen auf jedes angenehme Gefühle folgt Schmerz und Enttäuschung. Was wir als Kind nicht verstehen und begreifen ist, dass nicht die Gefühle Ursache von dieser ständig wiederkehrenden Erfahrung sind, sondern unser begrenzter Verstand, der immer wieder ausschließlich alte Muster und Erfahrungen nutzt um was neues zu entdecken. Das kann und konnte nur zu dem ständig wiederkehrenden Kreislauf führen, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.

Die berechtigte Angst immer wieder alte negative, insbesondere negative emotionalene Erfahrungen zu machen war und ist noch immer hausgemacht. Alle Versuche unseres Verstandes daran etwas zu ändern, waren von vornherein zum scheitern verurteilt. Lieber liefern wir uns seit Menschengedenken unserem begrenzten Verstand aus, der nichts dazulernen kann, solange er auf sich alleine gestellt ist. Unsere ständige negativen, schmerzhaften Gefühle, werden von unserem Verstand mit negativen Gedanken quittiert. Er und somit auch wir, können uns so nur in neuen Schleifen und Kreisen drehen.

Positive Gefühle sind für uns Mangelware geworden. Sie sind ja auch, solange allein unser Verstand das Sagen hat riskant und gefährlich. Enttäuschung, Schmerz und Leid sind vorprogrammiert. Bei uns überwiegen so unsere negativen Gefühle, die nicht nur unsere Grundhaltung und Grundeinstellung prägen, sondern noch viele gefährlicher sind in ihrer Auswirkung und Konsequenz, als unser Verstand auf sich allein gestellt erfassen kann. Viel gravierender sind die Folgen, als wir es sehen wollen. All die vielen negativen Samen sammeln sich in uns, werden genährt und gestärkt durch ihre Artgenossen. So gewinnt unsere negative Haltung und Einstellung ständig an Kraft und Macht, wird gehegt und gepflegt, beständig und unaufhörlich gefüttert, umsorgt und aufrecht erhalten. Schier aussichtslos erscheint es dagegen anzukämpfen. Trotzdem kämpfen und kämpfen wir einen aussichtslosen Kampf. Jeder Kampf erschöpft uns, macht uns kraft- und mutlos. Auf jeden gewonnenen Kampf erfolgt die noch größere Niederlage.

Erfinderisch wie wir Menschen sind, erfinden wir Lösungen. Eigentlich sind nicht wir es, sondern das worüber wir uns alle die meiste Zeit definieren, unser Verstand. Es ist fast so als wären nicht wir, sondern unser Verstand lebendig geworden und wir nur seine Gehilfen. Mit dem negativen Gefühl, ihm ausgeliefert, auf ihn angewiesen zu sein. Die Lösungen unseres Verstandes sind nichts weiter als Kompensation. Ersatzbefriedigung, Ablenkung und Überfütterung mit Essen, Delikatessen und Getränken. Mit Adrenalinkicks, Drogen, Medikamenten und Alkohol.

So dummdreist wie die Werbung „Wenn mich etwas stört, sperre ich es aus“ glauben auch wir daran, dass wir stärker werdende Symptome durch noch stärkere Gegenmittel bekämpfen müssen um was zu erreichen??

Unseren Verstand in seine Grenzen zu weisen ist ein wichtiger Auftrag für uns geworden, ohne dass wir uns dessen bewusst geworden sind. Intuitiv suchen wir nach Möglichkeiten unsere Gedankenflut zu drosseln, LOSZULASSEN wie das neue Modewort uns auffordern scheint, das uns überall begegnet.

Leichter gesagt als getan stellen wir immer wieder schier entmutigend fest. Solange wir dies über unseren Verstand versuchen trifft das nicht ganz zu. Solange allein unser Verstand uns sagt was Leben und Lebendigkeit bedeutet, wird es uns niemals gelingen.

Mit der Hetzerei aufzuhören, still zu werden, wird auch unseren Verstand irgendwann arbeitslos machen. Mach nicht so rum, lauf nicht weg, bleib stehen, setz dich hin. Sitz einfach nur so rum. Anfangs wird es dem Verstand langweilig werden. Er wird versuchen dich auszutricksen, dich mit Gedankenmüll zuzuschütten oder animieren aktiv zu werden, etwas zu tun. Gib ihm dann was er und vor allem du selbst brauchst. Gib ihm Impulse und positive Denkanstöße. Wenn du sprichst sei dir bewusst was du sagst. Wenn du dich unterhältst wähle positive, anregende, hilfreiche Themen, kein Lästern und Schimpfen über Gott und die Welt. Gib dir und deinem Verstand gute Nahrung, nahrhaftes Essen und Trinken. Genieße jeden einzelnen Bissen, jeden einzelnen Schluck. Geh in die Natur hinaus, geh gemächlich und langsam, Schritt für Schritt. Betrachte Bäume, Vögel, das Gras, den gefrorenen Bachlauf. Genieße den eiskalten Wind und das Licht der Sonne, das dahinziehen der Wolken. Durch die Entdeckung der Langsamkeit, durch schlichtes beobachten der Natur wird dein Verstand und du selbst zur Ruhe finden. Schenke dir selbst und deinem Verstand Achtsamkeit. Gemeinsam werdet ihr finden was fast verschollen und unvorstellbar war. Tief gehende Ruhe und Zufriedenheit, positive Gefühle, ohne Angst haben zu müssen, vor Enttäuschung.
Das Leben ist einfach. Erst wenn wir die Macht abgeben, die Kontrolle und Führung unserem Verstand überlassen, wird es kompliziert, unendlich und unnötig schwer.

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Über tukan

Wir ändern uns nicht durch Änderung unseres Verhalten, dies wäre wie Kleidung wechseln oder Möbelrücken. Veränderung braucht weder Anstrengung noch Gewalt. Solange wir von Lob und Wertschätzung abhängig sind, werden wir Menschen danach beurteilen, ob sie unsere Abhängigkeiten gefährden oder fördern. Die Wurzel allen Kummers ist das Verlangen. Verlangen trübt und zerstört die Wahrnehmung. Ängste und Wünsche verfolgen uns. einfach sein, leben und leben lassen, sich selbst beobachten ohne zu bewerten, achtsam und bewusst, lebendig und glücklich sein.
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