Nur ein Narr sagt die Wahrheit

Jeden Augenblick den wir unachtsam und ohne Bewusstheit verbringen, erleben wir Bilder, Ausschnitte dessen was ist. Wir nehmen Eindrücke, Geschichten, Gespräche, Gedanken und Erlebnisse aus einer selektiven Perspektive war. Abhängig von unserer Befindlichkeit und Laune, unseren Erwartungen und Wünschen, von dem was wir haben oder erreichen wollen, unser Erfahrung und vielem anderem mehr. Unsere Raster und Filter bestimmen was wir wahrnehmen. Unmengen an Eindrücken werden grob gesiebt, ausschnitthaft und selektiv vom Verstand verarbeitet und uns dann in Form eines Kopfkinos als unsere Realität präsentiert.
Unser Verstand verarbeitet alles mit unglaublicher Geschwindigkeit, komprimiert die vermeintlich wesentlichen Dinge und spuckt schneller als jeder Computer die Ergebnisse aus. Grundlegendes Raster ist immer das gleiche, was dient uns, ist nützlich und hilfreich für uns und was schadet uns, behindert, verhindert, das unsere Welt sich so anfühlt wie wir sie sehen und erleben wollen. Selbst dann wenn sie uns nicht gefällt und eher mit Angst und Schrecken erfüllt. Unser Verstand nutzt immer wieder alte Erfahrungen und Erlebnisse zum Sortieren, Interpretieren, Bewerten und Urteilen.

Wir selbst haben kein Interesse an der Welt da draußen, an anderen Menschen oder Vorgängen, solange sie uns weder behindern noch nützlich sind. Taktisches Kalkül lässt uns dann, wenn unsere emotionale Belastung und Herausforderung es zulässt, anderen Menschen gegenüber so tun als ob, lässt uns Visionen und Wunschvorstellungen als unserer Wirklichkeit präsentieren und verkaufen. Lechzend auf der Suche nach Anerkennung und Liebe. So freuen wir uns schon, wenn jemand unser Kleid oder Hemd bewundert. Fühlen uns gesehen, geschätzt und aufgewertet. Wenn andere Menschen uns eine gute Show bieten, in der sie vorgeben uns zu bewundern, zu schätzen und zu lieben, nehmen wir dies dankbar für bare Münze, solange wie sich Betrug und Selbsttäuschung aufrecht erhalten lässt. Funktioniert die Täuschung nicht mehr nach unseren Wünschen und Vorstellungen gibt es Ärger. Andere Menschen die wir zu schätzen und zu lieben glauben bekommen unseren Ärger, unsere Wut und Enttäuschung zu spüren. Dass wir uns damit selbst gleichzeitig in eine andere Erlebniswelt katapultieren sehen wir meist nicht.
Es sind die wenigen Momente die uns authentisch zeigen, leben und erleben lassen. Vorbei mit der Scheinheiligkeit und dem so tun als ob. Unsere Ehre, unsere Zufriedenheit unsere Scheinwelt ist bedroht und will verteidigt werden. Manches Mal, doch viel zu selten, gibt es auch Augenblicke höchster Zufriedenheit, schon fast so etwas wie glücklich sein. Auch hier zeigen wir uns authentisch, sind wohlwollend, nachsichtig mit Fehlern und Tollpatschigkeit anderer Menschen, wir zeigen uns von „unserer besten Seite“. So wie wir immer wären, wenn die Welt sich so entwickeln und verhalten würde wie wir das gerade wollen, erwarten oder fordern.

Dabei ist es garnicht so viel was wir wollen, etwas Glück, Zufriedenheit und Liebe, mehr nicht. Was wir nicht sehen, dass wir uns verlaufen haben, manchmal sogar weit weg von uns selbst befinden. Wir suchen Glück, Liebe und Zufriedenheit in ganz merkwürdigen Dingen. Dazu noch auf auf eine Art und Weise die uns selbst erschrecken würde, würden wir uns dabei sehen. Grob, unachtsam, verletzend, nur den eigenen Vorteil sehend. Kurzfristige Befriedigung ist gefragt, Kompensation und Ersatzbefriedigungen erhalten höchsten Stellenwert, erscheinen uns überlebensnotwendig. Es scheint fast so als wären wir bereit über Leichen zu gehen, für einen kurzen Moment Glück, dem Gefühl geliebt zu werden, Zuwendung und Liebe zu spüren. Es ist uns dabei garnicht so wichtig Authentizität oder Wirklichkeit zu erleben, Hauptsache das schöne Gefühl ist da, Faszination, Begeisterung, Zufriedenheit. Wer will denn überhaupt noch wissen was real und wirklich ist, wer weis das schon. Schöne, angenehme Gefühle sind uns willkommen, unangenehme Gefühle verpönt und verhasst, Ende aus.

Unser Verstand erhält dafür die Macht und die Aufgabe für unser Glück und unsere Zufriedenheit zu sorgen. Er interpretiert, bewertet, urteilt und trifft die Entscheidungen. Zumindest solange wie alles gut funktioniert. Zuschreibungen in Form von erfolgreich, kompetent, weise, dumm, naiv, beliebt, berühmt, schön, hässlich, närrisch, vernünftig, reich, oder Etiketten wie zum Beispiel: er hat Karriere gemacht, sie ist eine wunderschöne, begehrenswerte Frau oder Mann. Reichtum wird gemessen an Kleidung, Haus, Auto und dem Bankkonto. Begehrenswert ist die beste Präsentation und nicht das was dahinter steckt. Schön ist die Schminke und die Maske, das Outfit, nicht das was drinsteckt. Ist ja auch egal solange die Show funktioniert oder. Notfalls würden wir selbst unsere Seele verkaufen, Hauptsache wir sind der Gewinner, der Beste, beliebt, berühmt, anerkannt, erfolgreich, unschlagbar.

Manche Etiketten und Zuschreibungen bereiten uns jedoch Schwierigkeiten, ein Verlierer, ein Versager, oder unbeliebt zu sein, nicht geschätzt und nicht geliebt zu sein. Wir tun fast alles um diese Etiketten nicht zu erhalten oder erleben zu müssen. So werden wir erpressbar, käuflich, abhängig.

Wir identifizieren uns gerne mit Etiketten solange sie uns gefallen. Wenn uns erstrebenswerte Etiketten von anderen Menschen zugeschrieben oder aufgeklebt werden, tun wir alles was wir nur können, um diese Etiketten behalten zu dürfen und in den Augen Anderer diesen Zuschreibungen auch zu entsprechen. Genauer betrachtet verhalten wir uns närrisch und dumm. Da sich jedoch fast alle in irgendeiner Weise so verhalten, ist es zur Normalität geworden. Wir gehören dazu, wir entsprechen der Norm, auch wenn es mittlerweile Hip ist nicht der Norm zu entsprechen, ist dies schon wieder neue Normalität geworden. Wer will denn schon allein dastehen, auf Dauer doch unerträglich oder nicht? Wir sind halt menschlich. Unmenschlich und verrückt ist wer sich nicht so verhält wie wir und wir sind trotz aller Abgrenzungsversuche die Mehrheit. Wir gehören zu den Normalen, Vernünftigen, in der Gesellschaft integrierten Menschen. Wir gehören dazu und wollen dazu gehören, die große Mehrheit kann sich ja nicht irren. Selbst wenn es so wäre, was sollen wir als Einzelne schon ausrichten, Kompromisse sind halt einmal notwendig. Als Einzelner könnte man leicht verrückt werden in einer Welt mit Menschen, einer närrischer als der andere, Beispiele dafür gibt es ja genug.

Es scheint keine Wahl zu geben, so sind und bleiben wir abhängig von der Wertschätzung anderer Menschen, die letztlich nicht einmal uns als Person, sondern unseren Geldbeutel, Oberflächlichkeiten und Äußerlichkeiten, unser Aussehen, Doktortitel und anderen Klischees gilt. Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, oder doch? Unsere Gier, Begierden, Süchte und Sehnsüchte wollen gestillt sein. Egal ob es manchmal oder meist nur der Schein ist, der uns Befriedigung und Erleichterung für einen Augenblick erleben lässt. Das Erlebnis zählt. Heißt es nicht immer lebe den Moment und allein der Augenblick zählt. Also was soll’s alles gut so wie es ist oder doch nicht. Als lebenserfahrene Menschen haben wir gelernt zurechtzurücken was sich schief anfühlt oder schräg aussieht. Wir sind doch nicht blöd. Wir haben es uns verdient und sind es uns wert, so zu leben wie wir leben. Dem kann man doch nur zustimmen, oder?

Ein Narr der achtsam und bewusst sein Narr sein lebt, ist frei davon sich durch Ehrlichkeit und Offenheit unbedacht verletzbar zu machen oder zu zeigen. Er weis, nicht Äußerlichkeiten, äußere Umstände oder Reaktionen und Verhaltensweisen anderer Menschen haben die Macht ihn zu verletzten oder gefährlich zu werden. Er weis, er ist allein mit seiner Haltung, seiner Wahrnehmung, seinem „so sein“ zuständig für Zufriedenheit und Glück, Liebe und Mitgefühl. Er weis nur ein Mensch der sich selbst wahrnimmt, akzeptiert und annimmt, so wie er ist und sich nicht nur so sieht wie er sein möchte, nur ein Mensch der liebevoll ist zu sich selbst und sich selbst verzeihen kann, ist dazu in der Lage ihn überhaupt zu sehen.

Nur ein waschechter Narr, steht dazu ein Narr zu sein, kümmert sich nicht darum was Andere denken oder sagen, pfeift auf Anerkennung für Etiketten und Zuschreibungen. Nur ein Narr kann sich diesem Schreckenszenario entziehen. Erkennt, dass die vermeintliche Wertschätzung und Zuneigung anderer Menschen nur bis zum Verfallsdatum gilt. Nämlich bis der Nutzen nicht mehr effizient und groß genug ist oder sich etwas interessanteres, etwas „besseres“ ergeben hat oder ergibt. Ab und an müssen wir etwas zurechtrücken wenn unsere Bilder nicht mehr übereinstimmen mit dem was wir sehen. Wirklichkeit und Wahrheit ist doch immer unsere Wahrnehmung oder nicht? Na also, wenn unsere Bilder, Vorstellungen und Wahrnehmung übereinstimmt erscheint uns die Welt in Ordnung, unsere Welt zumindest. Ein Narr begreift, er selbst wurde und wird als Person nie wahrgenommen oder gesehen, ja kaum einer der vielen Narren sieht sich selbst. Ein Narr erkennt, dass Zufriedenheit, Glück und Wertschätzung nicht von anderen Menschen durch Auszeichnungen verliehen werden kann.

Ein solcher Narr hat kein Problem damit zuzugeben ein Narr zu sein. Er erkennt dass Zufriedenheit, Glück und Liebe nur durch und in ihm erlebt und gelebt werden kann. Ein solcher Narr lernt sich frei zu machen von den Fesseln, die ihn in Abhängigkeit halten. Eine Welt in der sich jeder selbst freiwillig zum Sklaven seine Begehrlichkeiten und Sehnsüchte macht. Ein solcher Narr erlebt Zufriedenheit und Wertschätzung durch sein Sein und seine Liebe. Seine Liebe zu Gott und zu sich selbst. Er beginnt seine Energien dafür zu verwenden zu lernen und zu wachsen, über sich selbst hinauszuwachsen und nach und nach eine Fessel nach der Anderen abzulegen. Es kümmert ihn nicht ein Narr zu sein und von Anderen als kleiner dummer Narr gesehen zu werden. Er lernt frei zu sein, Freiheit zu genießen und zu leben.

Aus diesem Sein und Zustand heraus ist es ihm wieder möglich mitten in einer Gesellschaft von Narren zu leben. Doch die Fesseln und die Abhängigkeiten verlieren sich. Er beginnt die Menschen zu sehen und lieben zu lernen, ihr Verhalten und ihren Schein nicht zu verurteilen oder sie verändern zu wollen. Er weiß jeder selbst nur kann dies tun. Seine selbst gewählte Aufgabe und Bestimmung ist er selbst zu sein, seine Liebe und Mitgefühl zu leben.
So bin ich gerne ein kleiner, dummer Narr.

Was sind schon Etikettierungen und Zuschreibungen. Warum den Schein festhalten, wenn es so viele Wunder, Faszination und Liebe gibt. Das einzig tragische in der Welt ist Ignoranz. Angst und die Ignoranz der Menschen die sie zu Sklaven ihrer selbst macht. Himmel und Hölle ist hier und jetzt. Es liegt in der Entscheidung jedes Einzelnen.

Ewigkeit ist jetzt, Ewigkeit zu leben bedeutet frei zu sein von dem was war und oder sein könnte, kommt oder auch nicht kommt.

Alles Andere erscheint mir Vorstellung, Vision und Schein zu sein.
Wie siehst du deine Welt, was ist deine Wahrheit und Wirklichkeit?
Ist es deine Wahrnehmung deine Wirklichkeit lebst du möglicherweise gefährlich, sie verändert sich ständig, so wie deine Befindlichkeit und deine Launen.

Leben und Wirklichkeit existiert durch Bewegung und Veränderung, Wachstum ermöglicht uns lebendig zu sein, jeden Augenblick zu sterben und neu geboren zu werden. Der körperliche Tod ist kein Ende sondern Teil des Kreislaufes der Leben überhaupt erst ermöglicht.

Durchdringst du voll und ganz diese Tatsache beginnst du zu leben. Ein Leben in dem Bewegung und Veränderung überwiegend durch den Verstand entsteht, Wahrnehmung sich durch selbst kreierte und produzierte Gefühle verändert, Unzufriedenheit und ein Gefühl von Leblosigkeit immer wieder zu Leid und Elend führt hat wenig zu tun mit dem Leben an sich.

Wirklich lebendig zu sein ist nicht nur faszinierend und wundervoll, voller Liebe, Freude und Zufriedenheit. Es bedeutet auch Niedergeschlagenheit und Bedrücktheit, doch ohne an irgendetwas länger zu kleben oder es festzuhalten. Es bedeutet keine Angst zu haben vor dem Tod und dem was kommt. Sich weder Gedanken zu machen über das was war, noch von den Auswirkungen von Gedanken sein Erleben bestimmen zu lassen. Sich damit zu identifizieren oder dies als Wahrheit und Wirklichkeit zu definieren. Wirklichkeit ist nichts was sich festhalten lässt, nichts starres oder unbewegliches.

 

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Über tukan

Wir ändern uns nicht durch Änderung unseres Verhalten, dies wäre wie Kleidung wechseln oder Möbelrücken. Veränderung braucht weder Anstrengung noch Gewalt. Solange wir von Lob und Wertschätzung abhängig sind, werden wir Menschen danach beurteilen, ob sie unsere Abhängigkeiten gefährden oder fördern. Die Wurzel allen Kummers ist das Verlangen. Verlangen trübt und zerstört die Wahrnehmung. Ängste und Wünsche verfolgen uns. einfach sein, leben und leben lassen, sich selbst beobachten ohne zu bewerten, achtsam und bewusst, lebendig und glücklich sein.
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