Zauberformel für Lebendigkeit und Liebe

Ein aktuelles Lied das immer wieder im Radio zu hören ist erzählt davon dass wir über neunzig Prozent von allem was wir angehäuft und angeschafft haben nicht brauchen, dass all dies nur Ballast ist der uns das Leben schwer macht und die Leichtigkeit stiehlt. Es spricht davon all den Ballast wegzuwerfen, loszulassen und mit ganz wenig Gepäck, ein Leben voller Leichtigkeit und Freude zu führen. All den Ballast der uns unbeweglich, träge und müde macht loszulassen.

Dies gilt jedoch nicht nur für Klamotten, Möbel und andere Besitztümer. Es gilt genauso für all dies, worüber wir uns Gedanken machen, wo wir ständig hin und her überlegen und uns oft nicht entscheiden können. Es gilt für all die Gedanken die wir uns machen über das was war, sein könnte und sicher nicht sein wird. Es gilt für die Haltungen, Meinungen und Überzeugungen die wir uns unveränderlich wie Klötze ans Bein binden. Allzuoft sind wir davon überzeugt etwas zu wissen bevor wir es wirklich betrachtet haben. Wir haben keine Zeit zu leben. Wir glauben allen möglichen Mist der uns einsuggeriert wird ohne es zu merken. Wir halten uns an unseren Gedanken und Vorstellungen fest und glauben dies wäre notwendige Struktur, die uns Sicherheit gibt. Wir sind ständig beschäftigt und gestresst mit all dem was wir uns merken wollen und noch zu tun haben. Wir kommen nicht wirklich dazu unsere Gedanken zu ordnen oder mal durchzuatmen, loszulassen klingt für uns eher nach Hohn und Spott. Sekundenschnell müssen wir Entscheidungen treffen und haben nur kurz Zeit zu überlegen. Funktionierende Filter und Raster müssen uns alle relevanten Fakten präsentieren um in Windeseile zur nächsten Entscheidung zu hecheln. Trotz all unserer perfekt strukturierten Mechanismen und Automatismen kommen wir niemals wirklich zur Ruhe. Das Leben scheint nicht nur an uns vorbei zu gehen, es geht an uns vorbei. Nur der schnelle Adrenalinkick, höchst effizient genutzte Pausen, möglichst gleichzeitig gegessen, geraucht und eingekauft, scheint uns noch funktionieren zu lassen. Ablenkung bedeutet für uns Erleichterung, uns nicht mit Arbeit die vor uns liegt zu beschäftigen, sondern darüber zu reden und davon zu erzählen was hinter uns liegt. Fast Erholung ist es für uns wenn wir uns über belanglose Dinge den Kopf zerbrechen oder über andere Menschen reden, die wir eigentlich garnicht kennen. Es macht nichts, dass wir nur über unsere Vorstellungen von Ihnen reden, Hauptsache wir können andere anstrengende Gedanken in die Ecke stellen und unsere Gedanken stressfrei fließen und fliegen lassen. Wir glauben auch noch daran, was wir so an Visionen und Vorstellungen erschaffen. Sind überzeugt Gerüchte und Falschheiten erzählen jedoch nur Andere über uns. Es macht nichts, dass wir so in unseren Vorstellungen und Gedanken Menschen erschaffen die es so garnicht gibt, denn die Menschen wovon wir zur reden glauben, leben ja meist genauso wie wir, nur in Ihren Vorstellungen und Gedanken.

Gibt es überhaupt ein Leben außerhalb, ist für den Einen oder Anderen vermutlich eine ernsthafte Frage. Die Unterscheidung zwischen Realität, Wirklichkeit, Fiktion und Vorstellung ist für uns alle schwierig geworden. Es ist nicht einfach darüber Klarheit zu erhalten was Vorstellung oder Wirklichkeit ist, wenn man überwiegend in seinen Vorstellungen lebt. Die unglaublichste Antwort erhielt ich bisher von einem jungen Studenten von fünfundzwanzig Jahren. „Es ist doch egal und ok, wenn ich nur in meinen Vorstellungen lebe, wenn ich mich dabei wohl fühle und zufrieden bin.“
Ich hatte beruflich und privat mit ihm zu tun. Krisen, Konflikte, Streit und Wut waren es die fast täglich Emotionen erschufen und ihm so ein Gefühl von Lebendigkeit suggerierten. Sich danach zu versöhnen und alles wieder gut und in Ordnung sein zu lassen, war ein automatisiertes Ritual. Mittlerweile hat er verstanden, dass er sich seine eigene Realität und Wirklichkeit selbst erschaffen hat. Sich damit immer wieder im Kreise drehte und sich an den selbst erschaffenen Realitäten und Wirklichkeiten der Menschen in seiner Nähe ständig reiben musste, es so nur zu Missverständnissen, Streit, Leid und Elend kommen konnte und kann.

Jeder kann lernen über seine eigene begrenzte Welt hinauszuschauen, kann erkennen dass es keine Definition, keine Vorstellung, keine Überzeugung gibt die mit der eines anderem Menschen übereinstimmt, kann lernen zu verstehen, wie individuelle Wahrnehmung und Interpretation, Empfindungen erschaffen und so Wohlwollen, Freundlichkeit und Zufriedenheit oder Ärger, Wut und Hass entstehen lassen.

Über die eigene Begrenztheit hinaus verstehen und begreifen zu lernen ist ein Prozess der ein Leben lang dauert. Achtsamkeit als ständiger Begleiter führt uns zu wachsender Liebe, lehrt uns Bewusstheit, Demut und Mitgefühl.

Um das Leben zu sehen, wie es wirklich ist, hilft nichts so sehr wie die Vorstellung der Tatsache des Todes. Etwas Staub ist es der übrig bleibt, vom Winde verweht und verschlungen vom Universum. Ein wenig Staub, Zeichen dass es mich gegeben hat. All die Erfolge und Tragödien, Ängste und Sorgen, all die Träume, Liebe und Abneigung, all das was mein Leben ausgemacht hat, ist urplötzlich vom Winde verweht.
Die Bäume und Vögel, die Erde, unzählige Sterne, vorbeieilende Wolken und der Schrei eines Säuglings, ein Zug der vorüberfährt, der Sonnenschein, sie alle sind Zeugen des Lebens, Tanz des Universums.
Da ist ein Klang, ein Summen, ein sanfter Windhauch, der Geruch von Gräsern und der zarte betörende Duft von Blumen einer Wiese.
Überall verteilt die Überreste jenes Menschen, den ich „Ich“ nannte, jenes Lebens, das ich „meins“ nannte. Wiedergeboren und zum Leben erweckt in einer unglaublichen Vielfalt, als Schmetterling, Sonnenblume und Kastanienbaum, als winziger Stern im Kosmos und Teil der Energie unserer Sonne, deren Schein unser Herz erwärmt, unser Leben erst möglich macht.

Womit verbringen wir die kostbarste Zeit unseres Lebens und wofür investieren wir unsere meiste Kraft und Energie. Was macht uns und unser Leben aus und was bleibt davon übrig. Was ist unser Vermächtnis.

Ist es unser Geist der erst in uns selbst und dann unzähligen Köpfen anderer Menschen Angst erzeugt oder der durch seine Offenheit, sein Verständnis und Güte die Herzen erwärmt. Ist es unsere Seele die durch ihre Verzagtheit Ängstlichkeit verbreitet und sich vergräbt und versteckt, oder die durch gelebte Liebe Menschen ermutigt und erfreut. Ist es unser Wesen, das seine gelebte Ignoranz, Arroganz und Überheblichkeit begreift und nach Gnade und Vergebung fleht um als armer Sünder wiedergeboren zu werden, für eine neue Chance. Ist es alles zusammen um irgendwann vor Gottes Gericht zu stehen um Lohn oder Strafe zu erhalten.

Ich glaube es wird kein Gottesgericht mit Belohnung und Strafe im Jenseits geben. Diesseits und Jenseits ist immer noch Dualität. Unser Verstand kann weder begreifen noch sich annähernd vorstellen, was nach dem Tod sein wird, solange wir auf Erden in der Dualität leben. Doch wir können nachvollziehen was mit unserem Körper geschieht. Wir können etwas über unsere Prioritäten, unsere Ängste, Sorgen und Nöte, unsere Wünsche, Vorstellungen und Illusionen erfahren, erkennen, lernen und begreifen. Wir können begreifen dass Ewigkeit jetzt ist. Dass wir selbst und ganz allein durch unser Sein im Hier und Jetzt entscheiden können und dürfen, wie und ob wir leben oder uns vor uns selbst verstecken und unser Leben verschlafen. Wir können begreifen, dass Himmel und Hölle, wenn wir es so bezeichnen wollen, hier und jetzt Realität und Wirklichkeit für uns ist. Unser Handeln oder nicht handeln, unsere Ignoranz oder unser Mitgefühl und Verständnis, unsere Wut und Hass oder unsere Liebe, lässt uns Himmel und Hölle erschaffen und erleben. Unser Glaube an Gott oder die Macht des Geldes und unsere Ignoranz entscheidet wie sehr wir unser Leben genießen oder leiden. Leblos in Illusionen zu verweilen ist verschenkte Zeit, sich zu verstecken oder tot zu stellen lässt uns nur leiden und auf der Stelle treten. Nichts zu tun, auf Erlösung zu warten oder unser Leben zu verschlafen führt zu „heulen und Zähne knirschen“, noch bevor wir gestorben sind.

Ständig führen wir, allzuoft ohne darauf zu achten, Zwiegespräche mit uns selbst, schauen uns selbst zu, bei dem was wir tun und wie wir leben. Unser Missmut, Resignation, Unzufriedenheit und Wut entsteht während wir zuschauen wie wir nicht leben was und wie wir eigentlich möchten.
Freude und Zufriedenheit entsteht in uns immer dann wenn wir aktiv handeln, uns mutig trauen unser Leben in die Hand zu nehmen. Unsere Haltung und unsere Entscheidungen, entwickeln und treffen wir meist ohne darauf zu achten, vermeintlich auf Grund von Fakten und Tatsachen, doch massiv geprägt von unseren Befindlichkeiten und Launen. So werden vermeintliche Fakten schön und rosarot gefärbt oder verstärken schicksalhaft unsere empfundene Hilflosigkeit. Doch immer sind es allein wir, die Entscheidungen treffen und Überzeugungen annehmen. Nicht die Wirklichkeit, die Realität oder die Umstände sind entscheidend dabei, sondern unsere Wahrnehmung, Interpretation und Empfindlichkeit oder unsere Entschlossenheit, unser Mut und unser fester Glaube an uns selbst.

Ein gutes Zeichen dass wir noch nicht wirklich leben ist, wenn wir Angst vor dem Tod und vor dem Sterben haben.

Unsere perspektivische Betrachtung unseres Lebens entscheidet zugleich über unsere Lebensperspektiven.

Wir selbst durch unser Sein und Handeln entscheiden darüber wie und ob wir leben. Ein fester Glaube an uns selbst gibt uns Kraft, Mut und Selbstvertrauen.

Doch Glaube allein ist noch keine Lösung, Handeln allein ist keine Hilfe und führt weder zu Veränderung noch zu Wachstum, auch allein einfach nur sein lässt uns immer wieder elendig leiden.

Einfach, einfach sein ist ein guter Anfang.

Weniger nachdenken und mehr spüren, fühlen, schmecken, riechen, atmen. Gefühle und Empfindungen, egal ob wundervoll oder schmerzhaft, nicht aus Unsicherheit und Ängstlichkeit gleich wieder dem Kopf zur Weiterbehandlung und Lösung übergeben. Unser Verstand ist ein nützliches Werkzeug, doch sich selbst überlassen kopf- und hilflos, nicht lebens- sondern nur überlebensfähig. In Kombination mit Achtsamkeit ist unser Verstand dazu bereit und in der Lage sich führen zu lassen, uns zu unterstützen. Niemals sollte unser Kopf oder unser Gefühl die Hauptrolle und Entscheidungen oder Führung übernehmen. In unserer Hilflosigkeit kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Kopf und Bauch. In unserer Hilflosigkeit, Unentschlossenheit und Unsicherheit übergeben wir irgendwann einem von Beiden die Kontrolle und Macht. Da Kopf und Bauch sich intensiv gegenseitig beeinflussen und manipulieren lassen haben wir oft das Gefühl beide würden gleichberechtigt mitreden. Selbsttäuschung ist die Folge und wiederkehrendes Leiden.
Sowohl unser Bauch als auch unser Kopf braucht unsere Achtsamkeit. Achtsamkeit die unser Leben begleitet lässt uns nie im Stich. Achtsamkeit lässt uns Begreifen und Verstehen, lässt uns Bewusstheit und Liebe für unser Leben und unsere Lebendigkeit entdecken. Dabei wachsende Liebe ist ein Geschenk, für uns selbst und für alle Menschen die uns begegnen.

Beständige Veränderung und Bewegung bedeutet Wachstum und Lebendigkeit, ein Lernprozess für unser ganzes Leben. Liebe, Mitgefühl und Demut ist Chance, Lohn und Geschenk zugleich. Bereitschaft für unser Leben selbst Verantwortung zu übernehmen und Achtsamkeit ist die Zauberformel, die unser Leiden beendet und Liebe erfahren und leben lässt.

All den Ballast der uns das Leben schwer macht loszulassen ist viel leichter als du denkst. Du musst nichts entsorgen, wegwerfen oder verbrennen. Es reicht dein Herz nicht mehr daran zu hängen, dich mit dem Herzen frei und unabhängig davon zu machen, es nicht mehr zu brauchen. Wenn es dir nicht mehr wichtig ist ob du es besitzt oder nicht, wenn du nicht mehr daran festhältst bist du frei. Solange du ängstlich bist es zu verlieren, klebst du daran fest, machst dich selbst abhängig davon. Dies gilt für materiellen Besitz genauso wie für Beziehungen und Partnerschaften. Es gilt für jeden Gedanken, jede Meinung, Überzeugung und Vorstellung. Es gilt für deinen Glauben, deinen Gott, deine Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen.
Du kannst alles dein nennen, deine Welt und deine Träume. Solange du dein Herz nicht daran hängst, dein Leben, deine Zufriedenheit und dein Glück nicht davon abhängig machst, liegt dir die Welt zu Füßen.

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Über tukan

Wir ändern uns nicht durch Änderung unseres Verhalten, dies wäre wie Kleidung wechseln oder Möbelrücken. Veränderung braucht weder Anstrengung noch Gewalt. Solange wir von Lob und Wertschätzung abhängig sind, werden wir Menschen danach beurteilen, ob sie unsere Abhängigkeiten gefährden oder fördern. Die Wurzel allen Kummers ist das Verlangen. Verlangen trübt und zerstört die Wahrnehmung. Ängste und Wünsche verfolgen uns. einfach sein, leben und leben lassen, sich selbst beobachten ohne zu bewerten, achtsam und bewusst, lebendig und glücklich sein.
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