Gedanke über Liebe, Leben und Tod

Immer wenn mich ein Gedanke über längere Zeit nicht loslässt werde ich unruhig. Ich weiß dann, daß etwas in meinem Leben nicht stimmt. Der Gedanke an den Tod beschäftigt mich schon ein ganze Weile und meine Gefühle dabei sind eher von Ängstlichkeit und Traurigkeit besetzt. Lange Jahre habe ich unangenehme Gedanken und Gefühle verdrängt. Mittlerweile weiß ich daß sie dann ohne daß es mir bewusst ist in meinem Unterbewusstsein weiter wirken und arbeiten. Unbemerkt beschäftigen Sie meinen Verstand und manipulieren mein Leben. Ich lasse Sie daher lieber da wo sie sind und beobachte sie ohne mich einzumischen oder zu verdrängen. Ich weiß daß ich in meinem Leben auch immer wieder Augenblicke erleben darf in welchen der Tod zu meinen Leben dazu gehört wie das Wasser zum Brot. Er ist Teil meines Lebens. Ich meine damit nicht den Tod, des Augenblicks, das Loslassen von Vergangenheit oder den Sorgen und Plänen für die Zukunft. Ich meine den körperlichen Tod, den Austritt der Seele aus seiner körperlichen Hülle und die Rückkehr zum Ursprung. Der Körper zerfällt zu Staub und lässt sich nicht mehr trennen vom Staub der Erde und dem aller Anderen toter Lebewesen. Die Seele so glaube ich bleibt. Sie ist mehr als reine Energie. Ich habe mich mit den Gedanken zu sterben vor ein paar Jahren angefreundet und war bereit zu gehen. In dem Moment in dem der Tod unvermeidlich erscheint verändert sich die Betrachtung dessen was man bis dahin sein Leben nannte. Ich wusste und weiß was ich nicht will. Ich will keine dahinsiechende Marionette sein, ausgeliefert und abhängig von Maschinen, Medikamenten und den Verhalten und Entscheidungen anderer Menschen. Da mich zur Zeit also der Gedanke an den Tod nicht loslässt und schon eine ganze Weile in meiner Lebendigkeit und meinem Erleben stark beeinflusst erhält er hier und jetzt meine Ganze Aufmerksamkeit.

Schlaue Sätze sind wenig hilfreich wenn ich emotional befangen bin und sich zudem noch mein Verstand im Kreise dreht. Es hilft mir noch nicht einmal dass ich gerade feststelle dass in gewisser Weise ein Zustand eingetreten ist, den ich um keinen Preis ertragen will. Seit einiger Zeit stimmen zu viele Momente in meinem Leben nicht mit meinem Verhalten überein. Auch nicht damit was ich will und möchte. Ich habe mich in zu vielen Situationen zu einer Marionette degradiert, meine Abhängigkeiten und Süchte, Ängstlichkeit und vermeintliche Zwänge, Überheblichkeit und Arroganz bestimmen und lenken zu sehr mein Leben. Mein Herz, meine Seele und sogar mein Wille sind eingesperrt. Gefangen in einem Käfig den ich mir selbst erschaffen habe. Mein Verstand findet ständig Begründungen und Erklärungen warum alles so ist wie es ist. Er bemüht sich sehr mir all dies schön zu reden. Wie heißt es doch so oft und immer wieder – alles ist gut so wie es ist, alles hat seine Richtigkeit und seinen Sinn und Zweck. So ein Unfug. Es ist Zeit zu handeln um zu sein, anstatt zu reagieren um auszuhalten und zu überleben.

Wenn ich mir vorstelle jetzt zu sterben fände ich dies schrecklich. Nicht nur weil es noch so viel gibt was ich erleben und lernen möchte. Nicht der Tod erschreckt mich am meisten und macht mich ängstlich, sondern die Tatsache dass ich bereits mehr tot als lebendig bin. Dieses Gefühl von Leblosigkeit, Hilflosigkeit, Erstarrung und Ausgeliefertsein. Ich durfte in meinem Leben schon so viele Momente des Glücks und der Liebe erleben. Jeder neue Augenblick war wie ein neues Leben. Der Tod hatte keinen Schrecken sondern war eher ein Freund der dazu gehört. Ewigkeit, Glückseeligkeit, Lebendigkeit und Liebe in unglaublicher Intensität erlebbar, immer dann wenn und weil Leben und Sterben in einem ständigen Kreislauf stattfindet. In Sekunden durfte ich mehr Lebendigkeit erfahren als zu mancher Zeit in Jahren.

Ich mag es nicht eine Marionette zu sein. Doch ist es nicht einfach keine zu sein. Ich liebe Anerkennung und Wertschätzung, schwups bin ich abhängig davon wenn ich nicht achtsam genug bin. Zu sehen was wichtig und richtig für mich ist, scheint einfach zu sein solange alles super läuft, ich zufrieden und glücklich bin. Ich liebe Süßigkeiten und Whisky. Wenn ich nicht achtsam bin werde ich immer mehr zur Marionette meiner Vorlieben und Süchte. Gleichzeitig weiß ich dass es Unsinn ist mich zu etwas zu zwingen. Sich etwas zu versagen frisst Unmengen Energie und es ist für die Katz. Es bindet nur noch mehr an Gelüste, verstärkt die Gier und bindet noch mehr Energie diese zu unterdrücken. Sinn macht also nur freiwillig das zu tun oder zu lassen was ich möchte und mir gut tut. Ich weiß sogar wie das funktioniert. Ich muss verstehen und begreifen lernen warum ich etwas will, was ich eigentlich möchte und mit Ersatzbefriedigungen versuche zu komprimieren. Ich weiß auch was ich eigentlich will und was meine oberste Priorität hat. Ich will Lebendigkeit, Liebe und Mitgefühl leben und leben lernen. Ich möchte dass meine Achtsamkeit und meine Bewusstheit weiter wachsen darf. Ich weiß dies oder will das nicht nur weil ich glaube dass es gut für mich ist. Ich habe die Gnade und das Geschenk erhalten dies immer wieder leben und erleben zu dürfen. Zugleich weiß ich dass ich nichts weiß, also nicht wirklich etwas von Bedeutung. Solange alles was ich betrachte zwei Seiten besitzt bewege ich mich irgendwie und irgendwo dazwischen. Ja ich möchte auch gerne wegkommen von meiner Dualität. Auch sie ist letzten Endes wie ein gefangen sein in einem Käfig in dem es weder Türen noch Mauern gibt. Selbst erschaffen von kläglichen Bemühungen mit unserem Verstand alles begreifen und erklären zu wollen. Wer berücksichtigt schon und ist sich im Klaren darüber, dass unser Verstand immer nur mit dem arbeiten kann und darf was er gelernt hat. Allein auf Erfahrungen und Konditionierungen zu bauen ist eigentlich ziemlich naiv und dumm. Deshalb drehen wir uns ja seit Jahrtausenden immer wieder im Kreis.

Irgendwie macht es schon auch Freude herauszufinden was Zufriedenheit, Glück und Mitgefühl erlebbar macht. Bei Mitgefühl dachte ich und wahrscheinlich denken viele so, immer zuerst an Mitgefühl für andere Menschen. Falsch gedacht, es beginnt mit Mitgefühl für sich selbst, sich selbst verzeihen zu können. Sich annehmen und akzeptieren so wie man ist und nicht wie man sein sollte oder selbst glaubt zu sein. Hat man dies für sich selbst geschafft kommt die Erkenntnis dass beständige Zufriedenheit und Glück nur in der Gemeinschaft mit Anderen, letztlich nur mit allen Menschen und Lebewesen möglich ist.

Ich will und kann mich nicht beklagen, es gibt viele Gründe zur Freude und Dankbarkeit. Ich klebe nicht mehr so sehr an allen Dingen. Hilfreich ist dies besonders bei Selbstmitleid und dem verhaftet sein in meinem Elend. Trotzdem Selbstbetrug und Selbsttäuschung gibt noch immer. Es ist kein Trost, das dies für jeden von uns zutrifft. Gott sei dank, meine Selbstwahrnehmung und Selbstbeobachtung wächst und gedeiht. Langsam aber stetig darf ich Stück für Stück auch in schwierigen und hoch emotionalen Situationen erkennen was gerade geschieht. Ich lebe viel glücklicher und zufriedener als früher. Immer wenn es mir gelingt meine Wünsche, Erwartungen und Forderungen zu verstehen bin ich voller Zufriedenheit und Glück. Ich brauche immer weniger für mein Glück. Trotzdem ist Glück nichts was ich aktiv oder direkt beeinflussen oder manipulieren kann. Es geschieht und ist da, immer dann wenn ich im Einklang mit mir bin. Wenn ich in einem guten Kontakt zu mir bin, ist mein Körper, meine Seele und mein Geist in einer wundervollen Harmonie. Die ganze Welt scheint dann dafür dazu sein mich glücklich zu machen. Bevor ich mir etwas wünschen könnte geht es in Erfüllung. Mein Verstand ist das was er sein soll, ein wundervolles Werkzeug der mir hilft den Lebensalltag mit Leichtigkeit zu erleben. Was er nicht kann ist mit Unachtsamkeit meinerseits umzugehen. Schnell wird er dann starrköpfig und unhandlich, versucht Entscheidungen zu treffen die sich so nicht stimmig anfühlen. Er produziert dann Chaos und Unverständnis. Schön wenn man selbst dann wenn man alleine ist noch jemand hat dem man die Verantwortung zuschieben kann. Es ist und bleibt ja trotzdem mein Verstand, den ich alleine lasse und überfordere. Meine Achtsamkeit und Liebe lässt mich jedoch nicht im Stich, habe ich zumindest so beschlossen. Tatsächlich fühlt es sich so an als ob sie beständig an Kraft und Stärke gewinnen. Sie helfen und unterstützen mich zuverlässig, egal wie verfahren und schrecklich es sich anfühlt oder aussieht. Auf jeden Fall solange wie ich zuverlässig in Kontakt zu mir selbst bin. Meine Gefühle werden eher intensiver und heftiger, sowohl die wundervollen als auch die weniger angenehmen. Mein Glück und Geschenk dabei ist die kürzere Zeit des befangen oder gefangen Seins. Meine Achtsamkeit ist ein wertvoller Begleiter geworden, wird mehr und mehr zum zuverlässigen und beständigen Freund. Danke dafür. Gedanken kommen und gehen zu lassen ist wundervoll, wenn es gelingt, wenn ich rechtzeitig begreife, wenn ich mich nicht daran festhalte, nicht beginne zu interpretieren, zu werten und zu urteilen. Die Kunst ist nichts was ist verändern oder manipulieren zu wollen, es sein zu lassen. Einfach beobachten und staunen. Neben sich zu stehen erhält eine völlig neue Bedeutung. Nicht die, nichts mitzukriegen von dem was man tut und was geschieht, nein. Alles was geschieht wie in einem Film zu beobachten, ohne Zuordnung und Schubladendenken. Hm, ein Film ist eine gute Übungs- und Trainingsmöglichkeit dafür. Schon wenn wir nicht direkt emotional betroffen sind fällt es uns oft schwer, nicht Partei zu ergreifen, nicht zu bewerten oder Zuschreibungen sein zu lassen. Etwas einfach nur stehen und wirken zu lassen, seine Gefühle dabei zu beobachten und sich klar zu werden was hinter den Gefühlen steckt. Am Anfang werden es immer wieder Urteile und Bewertungen sein. Doch der Zeitpunkt kommt an dem man nicht mehr nur den Bösewicht oder den Traumprinzen sieht. Nichts hat Beständigkeit. Heute ein König und morgen ein Bettler, gerade noch schockiert und voller Zorn und im nächsten Augenblick huscht ein Lächeln über das Gesicht. Es ist schön, es ist wundervoll lernen und wachsen zu dürfen.

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Über tukan

Wir ändern uns nicht durch Änderung unseres Verhalten, dies wäre wie Kleidung wechseln oder Möbelrücken. Veränderung braucht weder Anstrengung noch Gewalt. Solange wir von Lob und Wertschätzung abhängig sind, werden wir Menschen danach beurteilen, ob sie unsere Abhängigkeiten gefährden oder fördern. Die Wurzel allen Kummers ist das Verlangen. Verlangen trübt und zerstört die Wahrnehmung. Ängste und Wünsche verfolgen uns. einfach sein, leben und leben lassen, sich selbst beobachten ohne zu bewerten, achtsam und bewusst, lebendig und glücklich sein.
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