Wollen wir glücklich sein

Wieder einmal möchte ich meinen Freund Anthony de Mello zitieren um eine Antwort auf die Frage in den Raum zu stellen. Wollen wir glücklich sein, für mich und für Anthony gleichbedeutend mit der Frage, wollen wir wachwerden?

„Ist Psychologie nützlicher als Spiritualität? Nichts hat einen größeren praktischen Nutzen als Spiritualität. Was kann denn ein armer Psychologe tun? Er kann nur vom Druck befreien. Ich bin selbst Psychologe und praktizierender Psychotherapeut und gerate in großen Konflikt, wenn ich manchmal zwischen Psychologie und Spiritualität wählen muss. Ich weiß nicht, ob Sie mich verstehen. Ich konnte es viele Jahre lang selbst nicht begreifen und will es näher erklären. Es war für mich lange Zeit unverständlich, bis ich plötzlich entdeckte, dass die Menschen unter einer Beziehung genug leiden müssen, um bei allen anderen Beziehungen von Illusionen befreit zu werden. Ist es nicht schrecklich , so zu denken? Sie müssen genug in einer Beziehung leiden, bevor sie wach werden und sagen: „Es stößt mich ab! Es muss eine bessere Art zu leben geben, als von einem anderen Menschen abhängig zu sein.“ Und was habe ich als Psychotherapeut getan? Die Leute kamen mit ihren Beziehungsproblemen zu mir, mit ihren Kommunikationsschwierigkeiten usw., und manchmal konnte ich ihnen helfen. Aber manchmal – es tut mir leid, das sagen zu müssen – auch nicht, weil es ihnen gerade nur zum Weiterschlafen verhalf. Vielleicht hätten sie noch etwas mehr leiden sollen. Vielleicht hätten sie ganz und gar an einem Endpunkt kommen sollen, um zu sagen: „Das alles macht mich krank.“ Nur denjenigen, den sein Kranksein abstößt, kann man von seiner Krankheit befreien. Die meisten gehen zum Psychologen oder Psychiater, um Erleichterung zu erhalten. Ich sage es noch einmal: um Erleichterung zu bekommen; nicht, um ihre Krankheit loszuwerden.
…..Die armen Psychologen; sie leisten gute Arbeit, ja wirklich. Es gibt Zeiten, in denen die Psychotherapie eine riesengroße Hilfe ist, dann wenn Sie an der Grenze dazu sind, verrückt, wahnsinnig zu werden, werden Sie entweder Psychopath oder Mystiker. Denn das ist der Mystiker: das Gegenteil des Wahnsinnigen.
Wissen Sie, was ein Zeichen dafür ist, dass Sie wach geworden sind? Wenn Sie sich selbst fragen: „Bin ich verrückt oder sind es alle anderen?“ Es ist wirklich so, denn wir sind verrückt. Die ganze Welt ist es. Der einzige Grund, weshalb wir nicht in einer Anstalt sind, liegt darin, dass es so viele von uns sind. Wir leben mit verrückten Vorstellungen von Liebe, Beziehungen, Glück, Freude, von allem möglichen. Ich bin inzwischen so weit zu glauben, wir sind dermaßen verrückt, dass, wenn alle sich in etwas einig sind, man sich sicher sein kann, dass es falsch ist! Jede neue Idee, jede große Idee, stand am Anfang gegen alle anderen. Dieser Mann, der Jesus genannt wurde, stand als einzelner gegen die anderen. Alle sagten etwas anderes als er. So auch bei Buddha. Ich glaube, es war Bertrand Russel, der feststellte: „Jede große Idee tritt an als Blasphemie.“ Das trifft den Nagel auf den Kopf. Heutzutage ist man mit dem Begriff „Blasphemie“ schnell bei der Hand. Immer wieder hört man sagen: „Das ist eine Blasphemie!“ Denn die Leute sind verrückt, sie sind wahnsinnig, und je früher Sie das merken, desto besser ist es für Ihre geistige und geistliche Gesundheit. Vertrauen Sie ihnen nicht. Machen Sie sich auch keine Illusionen über Ihre besten Freunde, sie sind sehr schlau. Geradeso wie Sie es sind im Umgang mit irgendwem, wenn Sie es wohl auch nicht wissen. Ja, Sie sind sehr schlau – spitzfindig und listig. Sie spielen regelrecht Theater.
Ich verteile nicht gerade Komplimente, oder? Doch ich sage noch einmal: Sie möchten ja wach werden. Sie spielen Theater und wissen es nicht einmal. Sie glauben, dass Sie so voller Liebe und Hingabe sind. Doch wen lieben Sie denn? Selbst wenn Sie sich aufopfern, bereitet es Ihnen ein gutes Gefühl, oder nicht? „Ich opfere mich auf! Ich handle meinem Ideal entsprechend.“ Aber Sie haben doch etwas davon, oder? Sie haben von allem, was Sie tun, etwas, bis Sie wach werden.
Damit wäre der erste Schritt getan: Machen Sie sich klar, dass Sie nicht wach werden wollen. Es ist recht schwierig, wach zu werden, wenn man wie in einer Hypnose, einen Fetzen alten Papiers für einen Scheck über eine Million Dollar hält. Ja, es ist schwierig, sich von diesem Fetzen loszureißen.

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Über tukan

Wir ändern uns nicht durch Änderung unseres Verhalten, dies wäre wie Kleidung wechseln oder Möbelrücken. Veränderung braucht weder Anstrengung noch Gewalt. Solange wir von Lob und Wertschätzung abhängig sind, werden wir Menschen danach beurteilen, ob sie unsere Abhängigkeiten gefährden oder fördern. Die Wurzel allen Kummers ist das Verlangen. Verlangen trübt und zerstört die Wahrnehmung. Ängste und Wünsche verfolgen uns. einfach sein, leben und leben lassen, sich selbst beobachten ohne zu bewerten, achtsam und bewusst, lebendig und glücklich sein.
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